Via Dei Monti Lariani (Teilstück), 1.-3.10.2007 (Comer See/Italien)

Mit sorgenvollem Blick blicken Anne und ich durch Nebelschwaden hinauf zu den weißen Gipfeln der Berge, die das Val Bedretto (Schweiz) umgeben. Und auch ein Anruf beim Hüttenwirt der Capanna Cristallina bestätigt unsere Befürchtungen: Auf Höhen über 1500 Metern liegt ca. 50 cm Schnee, der die Wege ohne Schneeschuhe unbegehbar macht. Man kann es drehen und wenden wie man möchte, diesen Fehler haben wir uns selbst anzukreiden. So früh hatten wir einfach noch nicht mit Schnee gerechnet. Auch wenn viele Wanderer sogar später im Jahr noch schneefreie Wege hatten, beweist das ein Mal mehr, dass das Wetter keine Konstante ist, mit der man planen kann.

Uns bleibt nichts anderes übrig, als ein alternatives Ziel für unsere geplante Trekkingtour zu suchen. Zum Glück hatte ich kurz vor Abfahrt, als wir schon fast zu Türe draußen waren, einem Bauchgefühl folgend noch den „Walking in Italy“-Reiseführer von Lonely Planet eingepackt. Nur für den Fall der Fälle… Doch mehrtägige Zelttouren sind in den meisten europäischen Ländern nicht so einfach zu finden. Überall werden längere Touren nur mit Hütten- oder Pensionsunterkünften angeboten. Über die Möglichkeit von Zeltübernachtungen wird oftmals kein Wort verloren. Am großen Outdoor-Trend möchten halt so viele wie möglich verdienen.

Beim Durchblättern des Wanderführers stoße ich auf den Via Dei Monti Lariani, ein 125 km langer Wanderweg am westlichen Ufer des Comer Sees. Der Weg folgt zwischen 800 und 1000 Höhenmetern Pfaden, Fahrwegen sowie manchmal auch kleineren Straßen und dient als Verbindung kleiner Bergdörfer. Viele der Dörfer sind heutzutage verlassen, doch dienen ihre Almen auch heute noch in den Sommermonaten den Bauern der Küstendörfer für ihre Viehhaltung.

Wir beschließen, den Weg auszuprobieren und planen, am nächsten Tag nach Menaggio ins Tourismusbüro zu fahren, um Kartenmaterial und Infobroschüren über den Weg zu besorgen.