Tage 1-2 (23.10.-24.10.05):
Mit einer riesigen Portion Wut im Bauch über mich selbst liege ich im Willem Pretorius Game Reserve/Südafrika in unserem Zelt. (Oder, ähem...dem, was noch davon übrig ist; doch dazu später...) Es
ist Montag, 24.10.05, 18:15 Uhr Ortszeit und ich schreibe die Geschehnisse der ersten zwei Tage unserer Reise nieder. Draußen stürmt es, dass man meinen könnte, der letzte Tag sei angebrochen
(Aufmerksame Leser merken schon, dass sich der Kreis mit dem Zelt schließen könnte...).
Doch von Beginn an: Meine Mutter hat uns am Sonntag, 23.10.05 zum Flughafen München gebracht, dort haben wir noch Annes Familie getroffen und sind dann gegen 12:45 Uhr von München nach Südafrika,
bzw. dem Zwischenstopp Doha/Katar abgeflogen. Über den Flug gibt's nix zu meckern, außer dass ich Fliegen generell nicht so prickelnd finde, und sie es nicht geschafft haben, Anne und mich auf der
Strecke Doha-Joha nebeneinander sitzen zu lassen. Der Zwischenstopp in Doha wurde dann gleich mal um vier Stunden verlängert. Keine Ahnung warum. Aber dafür haben wir als Ausgleich ein super leckeres
Essen in einem Fast-Food-"Restaurant" spendiert bekommen. Anne und ich waren uns nach einem kurzen Blick auf das Huhn, welches trotz Panade blaß wie der Mond war, schnell einig, dass wir lediglich
Pommes mit Ketchup wollten. Und selbstverständlich die Cola ohne Strohhalm! Man kennt ja die Horrorgeschichten über die seltsame Auslegung des Wortes "Recycling" in einigen Gebieten der Welt.
*würg*
Die Maschine für den Weiterflug nach Johannesburg war supermodern, mit Bildschirmen für jeden einzelnen Sitz, auf denen man Kinofilme, Fernsehshows (so durfte ich meine heißgeliebten Friends
anschauen!!!) oder Musik individuell aussuchen konnte. Ich habe schon beschlossen, dass ich in meinem nächsten Leben ein reicher Ölscheich werde! Ein Herr aus England hat sich übrigens netterweise
dazu bereit erklärt, seinen Platz mit mir zu tauschen. So konnten Anne und ich doch nebeneinander sitzen. Sonst hätte ich halt ihm beim Schlafen auf die Schulter gesabbert. Schlafen im Flugzeug ist
einfach unbequem. Das hat sich wieder einmal bestätigt. Habe ich schon erwähnt, dass ich nicht gerne fliege!? Allein schon diese Schlange vor den Toiletten! Ätzend!!! 
Um kurz nach acht am Montag sind wir dann schließlich in Johannesburg gelandet. Ich hätte auch keine Minute mehr in diesem Flugzeug ausgehalten. (Ich freu mich schon auf unsere Neuseeland-Reise
2007!)
Am Flughafen sprach uns dann ein Mann in feinem Anzug an, ob wir einen guten Flug hatten. Yes, we had. Wo wir hinwollten. Car Rental. Schon eilt der Mann voraus in Richtung eines Gebäudes, das - mit
zahlreichen Hinweisschildern angekündigt - wirklich nicht zu übersehen war. Allerdings lief der Mann wohlweislich immer genau so weit voraus, dass wir ihn nicht darauf aufmerkasam machen konnten,
dass wir seine Hilfe eigentlich gar nicht benötigten. Kurz vor dem Ziel schloß sich dann noch ein zweiter Mann in Anzug unserer kleinen Karawane an und fragte, ob wir einen guten Flug hatten. Yessss,
we had. Wahrscheinlich dachte sich dieser Mann, dass acht Augen mehr sehen, als sechs, und half uns, das Car-Rental-Gebäude, welches sich bereits deutlich geradeaus vor uns auftat, zu finden. Nach
insgesamt zwei Gehminuten waren wir auch schon angekommen. Das Gepäck haben wir übrigens selber getragen. Der zweite Mann erinnerte uns daran, dass man eine so nette Tat unbedingt mit einem Tip
belohnen musste. Ich wollte ihm den Tip geben, dass er sich schleunigst aus dem Staub machen soll, da sonst meine Wanderstiefel gleich am Flughafen die ersten Hügel besteigen würden, aber blöd, wie
ich nun mal bin, sagte ich nur, dass wir noch kein Geld gewechselt hatten. Gnädig wie er war, wollte er sich aber auch mit den zehn Euro zufrieden geben, die er in meinem Geldbeutel gesehen hat. Auch
wenn ich spätestens hier mein Vorhaben mit den Wanderstiefeln in die Tat umsetzen hätte sollen, habe ich einfach dem lieben Frieden willen jedem 2 Euro in die Hand gedrückt. Mir macht es wirklich
nichts aus, auch mal mehr Geld in armen Ländern zu lassen, aber dann bitte bei den Leuten, die es wirklich brauchen...
Nachdem wir das Mietauto abgeholt und ein bißchen Geld abgehoben haben, konnten wir es gar nicht erwarten, endlich aus der Stadt raus zu kommen und in die Natur Südafrikas zu starten. Wir waren uns
zum Glück einig, dass wir (mit Ausnahme von Kapstadt) so wenig Zeit wie möglich in Städten verbringen wollten.
Die Grundüberlegung dieses Urlaubs war, dass wir von Johannesburg so schnell wie möglich über die N1 nach Kapstadt fahren, um dann von dort aus wieder gemütlich entlang der Ostküste zurück nach
Johannesburg zu gelangen. Gebucht hatten wir abgesehen vom Otter Trail, der wegen der großen Nachfrage am besten bereits ein Jahr im Voraus gebucht werden sollte, überhaupt nichts. Wir wollten so
unabhängig wie möglich bleiben und spontan entscheiden, wo wir die Nacht verbringen.
Auf dem Weg zu unserer ersten Übernachtungsetappe, dem Willem Pretorius Game Reserve haben wir in Kroonstad Halt gemacht, um zu schauen, ob wir einen Outdoor-Laden ausfindig machen könnten, wo wir
Gaskartuschen für unseren Kocher kaufen konnten. Hier ist uns eine weitere Eigenart der Südafrikaner aufgefallen: Als wir nach dem Weg gefragt haben, haben uns die Leute regelmäßig definitiv in die
falsche Richtung geschickt. Unsere Theorie ist, dass die Leute so höflich sind, dass sie lieber irgendwas sagen, als dem Fragenden eine Abfuhr zu erteilen, indem sie ihm mitteilen, dass sie es nicht
wissen. Völlig genervt haben wir dann nach der fünften Stadtdurchquerung diese ohne Gaskartusche und Lebensmittel wieder verlassen.
Im Willem Pretorius GR haben wir auf dem dortigen Camping-Platz als einzige Besucher unser Zelt aufgeschlagen. Bei strahlend blauem Himmel. Da wir noch nichts zu Essen hatten, sind wir noch mal kurz
aufgebrochen, um ein paar Lebensmittel einzukaufen. Ich muss hier mal anmerken, dass ich von diesem Urlaub erwartet hatte, Regen nur noch als verblassende Erinnerung aus der Heimat zu begegnen. Hey,
immerhin waren wir in Afrika!! Naja, erstens kommt es anders und zweitens... na, Ihr wisst schon. Während wir beim Enkaufen waren, ist völlig unvermittelt ein Unwetter aufgezogen. Und was für eins!
In unserem Unterstand, wo wir Schutz vor dem Regen gesucht haben, ist mir beim Gedanken an unser lediglich mit ein paar Heringen fixiertem Zelt heiß und kalt geworden. Vor meinem geistigen Auge habe
ich das Zelt schon hoch an uns vorbei fliegen sehen... zum Abschied haben wir ihm noch ein wenig hinterhergewunken! Als das Unwetter vorbei war, sind wir natürlich sofort zu unserem Zeltplatz
gelaufen. Und... was für ein Glück, das Zelt war noch da. Mit schräg gehaltenem Kopf habe ich das Zelt dann begutachtet, welches kerzengerade vor mir stand. Leider hat das Zelt aber diese Geradheit
verloren, je mehr ich den Kopf wieder in seine Normalhaltung führte. Tränen schossen mir in die Augen, als ich unser schönes Mark II Long völlig schief und verbogen vor mir stehen sah. Eine genaue
Inspektion ergab wenigstens, dass nichts gebrochen oder gerissen war. Das Zelt muss ohne die Sturmabspannung wohl flach wie eine Flunder auf dem Boden gelegen haben. Nachdem ich eine gute halbe
Stunde damit verbracht habe, das Gestänge vorsichtig wieder einigermaßen gerade zu bekommen, stand das Zelt wieder fast aufrecht vor mir. Lediglich ca. 15 cm neigte es sich noch zur Seite. Ich könnte
mich echt ohrfeigen! Ok, nächster Vorsatz: Egal wie schön das Wetter war, wenn wir das Zelt verlassen, nur noch mit allen Strumleinen abspannen!
Die Waldläufer