Tag 9 (19.2.08):
Wir haben heute 700 Höhenmeter vor uns und da es vorausichtlich wieder sehr heiß werden dürft, entschließen wir uns zu einem frühen Start. Es ist kurz nach acht Uhr, als wir die Bar "Amaya" verlassen, um zu unserem endgültigen Ziel Alojera aufzubrechen.
Der Weg führt uns in südwestlicher Richtung immer weiter den "Montana Blanca" hinauf. Die Landschaft, durch die wir laufen, ist wunderschön. Das Rotbraun der Erde, das Grün der Pflanzen und das Blau des Himmels ergeben eine Farbsymphonie, an der man sich nicht satt sehen kann.
Dummerweise stellen wir auf dem Weg fest, dass sich in Annes Trinkschlauch kleine, schwarze Punkte gebildet haben, vermutlich Schimmel oder Algen, und so müssen wir sparsamer sein, als wir dies geplant hatten.
Trotz der hohen Temperaturen und des Ausfalls von Annes Trinkvorrat fällt uns der Aufstieg nicht schwer und nach 2 1/2 Stunden haben wir den Sattel über Epina erreicht.
Wir werfen einen letzten Blick auf den Roque Carno, bevor wir die Bergseite wechseln und nach Epina absteigen.
Roque Carno und Teide
Da wir gut vorangekommen sind und uns der Gedanke des nahenden Endes unserer Trekkingtour nicht behagt, entschließen wir uns, anstatt von Epina direkt in westliche Richtung nach Alojera zu laufen, den Umweg nach Norden über Tazo zu nehmen.
Der Höhenweg von Epina über Tazo nach Alojera wurde im Rother-Wanderführer recht positiv beschrieben. Diese Einschätzung bestätigt sich uns nicht. Je weiter nördlich wir kommen, desto uninteressanter und eintöniger wird die Landschaft.
Außerdem leistet sich die Kompass-Karte hier einen groben Schnitzer. Laut der Karte müsste der Höhenweg, auf dem wir laufen, geradewegs in einem Bogen nach Tazo führen. Wir folgen also dem großen Wanderweg, doch werde ich immer stutziger, je mehr Tazo deutlich links von uns zu sehen ist. Da jedoch noch kein Wanderweg vorher nach links abgebogen ist, denke ich, dass der Bogen wohl etwas ausufernder zu laufen ist, als es die Karte verheißt. Als dann auch noch unser Wanderweg plötzlich in eine große Straße mündet, die laut Karte gute 500 Meter rechts von uns verlaufen sollte, wird mir klar, dass die Karte an dieser Stelle einfach hinten und vorne falsch ist.
Wir laufen also zurück bis zu einem kleinen Trampelpfad, der vom großen Wanderweg nach Westen führt und versuchen dort unser Glück. Insgesamt hat uns der Kartenfehler eine Stunde gekostet, was - zusammen mit der fast schon hässlichen Landschaft - für etwas Frust bei uns sorgt.
Zufrieden auf der einen Seite und stinkig auf Kompass auf der anderen Seite (der Ruf hat sich leider bewahrheitet) stellen wir fest, dass uns der Trampelpfad tatsächlich genau nach Tazo führt.
Auch hinter Tazo zieht sich der Weg scheinbar endlos durch öde Landschaft bis nach Alojera. Diese Strecke würde ich echt keinem empfehlen.
Um 17:00 Uhr kommen wir endlich in Alojera an.
Zufällig treffen wir auf der Straße den Vermieter unseres Apartments. Eigentlich hatten wir ein Apartment direkt am Strand reserviert, doch der Vermieter erklärt uns auf spanisch, dass er es dummerweise zwei Mal belegt hat. Er bietet uns stattdessen ein Ferienhaus zum gleichen Preis an, das jedoch etwas außerhalb von Alojera liegt.
Anne ist zunächst etwas enttäuscht, da sie sich sehr auf den Strand und die Nähe zum Meer gefreut hatte, doch als wir das Haus sehen, sind wir beide begeistert.
Ein nettes gemütliches Steinhäuschen mit tollem Ausblick auf das Meer und Alojera. Es ist zwar 1,3 km Luftlinie vom Meer entfernt, doch spricht uns das Haus, seine abgeschiedene Lage und die Aussicht sehr an.
Blick aus der Casa Sola auf Alojera
Wir kaufen in einem Mini-Supermarkt noch ein paar Lebensmittel für die nächsten Tage ein und fallen anschließend totmüde in unsere Betten.
Die Waldläufer