Tag 8 (30.10.05):

Dieser Tag sollte unser beider Leben völlig auf den Kopf stellen. Allerdings weiß das beim Aufstehen noch keiner von uns beiden.

Nach dem Frühstück verabschieden wir uns von unserer wirklich lieben Wirtin und fahren noch einmal kurz nach Kapstadt rein, wo wir mit dem Touribus die Ecken der Stadt abklappern, die wir am ersten Tag nicht geschafft haben. Für mich mehr Pflichtprogramm und auch Anne muss nach der Tour gestehen, dass Kapstadt mit keiner der schönen europäischen Städte, wie Wien oder Prag, mithalten kann. Im Bus erzählt uns der Reiseführer, dass das District Six Museum sonntags geschlossen hat. Da Anne und ich schon des öfteren mit Murphy's Law Bekanntschaft machen durften, ist natürlich auch gerade heute Sonntag. Ich ziehe ein langes Gesicht und sage zu Anne, dass es mir wirklich leid tut. Insgeheim grinse ich und freue ich mich, weil das auch bedeutet, früher aus dieser Stadt rauszukommen! "So ein Pech aber auch! Das wäre bestimmt interessant gewesen." Mißtrauisch sieht mich Anne mit hochgezogener Augenbraue an. Manchmal muss man wissen, wann man besser nichts sagen sollte.

Auch diesmal ist unser Auto nicht aufgebrochen worden und auch die Reifen sind alle vier noch vorhanden. So verlassen wir unausgeraubt und unbestohlen die als so gefährlich verschrieene Millionenstadt Kapstadt und ehrlich gesagt weine ich ihr auch keine Träne nach.

Unsere nächste Station ist das Kap der Guten Hoffnung. Hier können wir zum ersten Mal mit unserer teuer erworbenen Wild Card den Eintritt zum Nationalpark sparen. Schon auf dem Weg dorthin merke ich, wie meinem kleinen Meeresfan neben mir das Herz aufgeht und ihre Augen immer größer werden.

Bucht nahe des Kaps der Guten Hoffnung

Am Kap angekommen lassen wir das Auto stehen und gehen ein paar Meter hinauf zum Leuchtturm. Auf dem Weg dorthin sehen wir einen kleinen Weg, der nach rechts von der Haupttouristenroute abzweigt. Wir wollen mal schauen, wo der Weg hinführt. Wir kommen zu einer kleinen Aussichtsplattform, auf der wir ganz alleine mit dieser großartigen und atemberaubenden Kulisse sind.

Schweigend stehen wir nebeneinander und genießen den Augenblick. Ich habe Anne selten so glücklich erlebt. Irgendwie fühle ich, dass dies der richtige Zeitpunkt ist: Ich gehe auf die Knie und Anne sieht mich mit aufgerissenen Augen ungläubig an. Obwohl ich mir vor der Reise schon zu Recht gelegt hatte, was ich sagen wollte, bekomme ich doch nur ein unverständliches Gestammel über Liebe meines Lebens, Fehler in der Vergangenheit und gemeinsame Zukunft hinaus. Irgendwo dazwischen die entscheidenden Worte: "Willst Du mich heiraten?" Ohne dass sie eine Sekunde zögert, höre ich Anne wie aus 100 km Entfernung antworten:

"Ja, ich will!"

Die nächste Zeit habe ich nur noch bruchstückhaft in Erinnerung, so überwältigt bin ich von dem Augenblick. Wir stehen noch eine Weile zusammen, sehen dem Spiel der Wellen zu und saugen den Anblick, der sich uns bietet, in uns auf. Ich denke viel über unsere Vergangenheit nach und das, was noch vor uns liegt. Kein anderer Platz auf dieser Welt hätte unsere Beziehung so gut verkörpern können, wie das ehemalige "Kap der Stürme", das jetzt den Namen "Kap der Guten Hoffnung" trägt.

Schon vor Beginn der Reise wusste ich, dass ich Anne in diesem Urlaub fragen werde, ob sie mich heiraten will. Für den Zeitpunkt und den Ort habe ich mich jedoch spontan entschieden...

Am schönsten Kap der Welt

Doch selbst in solchen Augenblicken bleibt die Zeit leider nicht stehen und auch die Welt hört nicht auf, sich zu drehen. Und so müssen wir irgendwann diesen magischen Ort verlassen und weiter über Simon's Town, wo wir noch die Pinguinkolonie besuchen, zu unserer geplanten Unterkunft in Stellenbosch fahren.

Pinguinkolonie in Simon's Town

Wir haben uns entschieden, zur Feier des Tages auf unser Zelt zu verzichten und stattdessen die Nacht in einem gemütlichen Bed & Breakfast (Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!!), welches auf einem Weingut in der Nähe von Stellenbosch liegt, zu verbringen. Wir bekommen vom Wirt den Ratschlag, unser Glück im Restaurant "La Pineta" zu versuchen, das über eine hervorragende Küche verfügen soll. Der Wirt hat nicht zu viel versprochen: bei gutem Essen und einem fantastischen Blick auf die Kaphalbinsel lassen wir diesen unvergesslichen Tag ausklingen.

Sonnenuntergang mit Blick auf die Berge der Kaphalbinsel