Tag 7 (29.10.05):
Yesssssssssss! Schönes Wetter und kein eiziges Wölkchen am Himmel zu sehen!! So macht das Aufstehen Spaß! Mir fällt ein, dass ich damals in Schottland, das für sein wechselhaftes Wetter berühmt
ist, zwei Wochen strahlenden Sonnenschein hatte, und hier in Afrika wechselt das Wetter häufiger als ich meine Unterwäsche.
Wir fahren nach einem ausgiebigen Frühstück zur Talstation der Tafelberg-Gondelbahn und merken, dass wir unsere Sonnencreme nicht mehr finden können. Auch eine Durchsuchung des Autos fördert keine
Sonnencreme zu Tage. Aber zum Glück gibt es ja noch die Touristen-Stände, wo wir zu einem absoluten "Schnäppchenpreis" Sonnencreme kaufen können.
Dann stapfen wir los. Unter der Gondelbahn, die fast im Minutentakt die Touristen auf den Gipfel bringt, hindurch plagen wir uns bei hohen Temperaturen dem "Gipfel" entgegen. Ich muss zugeben, dass
ich während des Aufstiegs wirklich viel auf die Gondelbahn schimpfe. Ich bin einfach der Meinung, dass man sich manche Sachen, manche Privilegien erarbeiten muss. Anne ist der Meinung, dass es ein
Vorteil ist, wenn Menschen, die sonst diese Natur auf Grund körperliche Beeinträchtigung nicht erleben können, durch die Technik die Möglichkeit dafür geboten bekommen. Aber mal ehrlich: Bei wie
vielen Leuten, die täglich die Gondel hochnehmen, ist das denn der Fall? Meiner Meinung nach muss man die Faulheit der Leute nicht auch noch fördern und damit auch dauerhaft und nicht unwesentlich
die Schönheit der Natur zerstören.
Die Route, die wir ausgesucht haben, heißt Indian Vester und ist sehr schön. Kleinere Klettereinlagen lockern den Aufstieg auf. Wir sehen auf der Karte, dass Teile dieser Route als "schwierig"
deklariert sind. Noch denken wir uns nichts dabei. Ca. 50 Höhenmeter vor dem Gipfel laufen wir geradewegs auf eine Gruppe Kletterer zu, die mit Seilen eine Steile erklimmen. Anne und ich stehen mit
offenen Mündern vor der Kletterern. "Meinst Du, dass..." "Neee. Oder doch?!" Unsicherheit macht sich breit. "Aber davon stand doch nichts in der Karte!" Die letzte Weggabelung liegt einige Zeit
hinter uns und ich habe nicht gerade viel Lust, den ganzen Weg wieder runter zu gehen, nur um dann an einer anderen Stelle wieder aufzusteigen. Ein wenig verunsichert gehen wir weiter. Wir sind
erleichtert, als wir feststellen, dass der Weg an den Kletterern vorbei eine Kurve beschreibt und in gemäßigtem Aufstieg dem Hochplateau entgegen führt.
Dort angekommen schweift mein Blick zuerst von den Flip-Flop-beschuhten Mädchen, die aus der Gondel steigen, über die Gaststätte mit ihren Eis- und Getränkeständen zu Anne. Ich glaube, jetzt meine
Gedanken lesen zu können, hat nicht viel mit Zauberei zu tun. Schleunigst verlassen wir diesen Ort und suchen uns ein Plätzchen, wo wir ungestört die ungewöhnliche Aussicht genießen können. Aus den
meisten Gebirgen ist man ja eher gewohnt, beim Blick vom Berg hinunter bestenfalls ein paar Dörfer zu sehen. Hier liegt einem eine Millionenmetropole zu Füßen! Und ein Ozean! Mir persönlich gefällt
es zwar besser, wenn ich auf einem Berg kein Anzeichen von menschlicher Zivilisation sehe, aber ohne Zweifel ist dieser Ausblick irgendwie beeindruckend!
Berg, Stadt, Meer
Die Zwölf Apostel
Nachdem wir einige Zeit auf dem Hochplateau herumgewandert sind, steigen wir, diesmal auf einer anderen Route, wieder zur Talstation der Gondel hinab.
Wir sind noch vor der Jugendgruppe in der Unterkunft und als sie zurückkommen, sind sie sonderbar schweigsam und reserviert. Wir verkneifen uns grinsend jeglichen Kommentar und Fragen zum Ausgang der
Wettkämpfe. Aber leid getan haben sie uns schon.
Die Waldläufer