Tag 6 (16.2.08)
Leider hat der Krieger des Lichts versagt, denn immer noch verdecken dicke Wolken die Sonne. Aber wenigstens ist es trocken. Wir freuen uns beide sehr, den Campingplatz verlassen und weiterziehen zu können.
Nach einem Frühstück mit Tüten-Rührei (muss das nächste Mal nicht mehr mit) und Brot packen wir zusammen und laufen los in Richtung des Garajonay-Nationalparks.
Es ist wieder einmal ein überwältigendes Gefühl, als wir in den Regenwald eintauchen. Ich würde mich nicht als spirituellen Menschen bezeichnen, aber wenn ich durch einen Wald laufe, habe ich das Gefühl, alles mit schärferen Sinnen wahrzunehmen. Den Blick langsam durch das grüne Blätterdach wandern zu lassen, die reine Luft, die nach Leben und Vergänglichkeit zugleich riecht, einzuatmen, und den vereinzelten Geräuschen zu lauschen, welche die unseren zivilisationsgeprägten Ohren so unvertraute Stille durchbrechen, versetzt mich immer wieder in Andacht und respektvolles Staunen.
Im Garajonay-Nationalpark
Überquerung des Flusses "Cedro", des einzigen ganzjährig wasserführenden "Flusses"
Mal gemütlich und eben, mal anstrengend und steil windet sich der Weg durch den Nationalpark, während wir die für heute anstehenden 536 Höhenmeter hinter uns bringen.
Da es zwischenzeitlich immer wieder regnet, schlüpfen wir in unsere Funktionsjacken. Obwohl es kalt ist, schwitzen wir ob der hohen Luftfeuchtigkeit gehörig. Dampfdurchlässigkeit oder Atmungsaktivität hin oder her, bisher habe ich noch keine Jacke erlebt, die ich bei großer Anstrengung nicht hätte öffnen müssen.
Nach gut zwei Stunden gelangen wir zu einem Aussichtspunkt, der seinem Namen heute alles andere als Ehre macht, wo wir eine kurze Pause einlegen.
Und auch auf dem restlichen Weg bis zum höchsten Punkt unserer heutigen Etappe bleibt uns ein Blick über die Insel verwehrt.
Stattdessen starren wir auf eine undurchdringliche Wolkenwand.
Die Überlegung, ob wir den Gipfel des Garajonay besteigen sollen, der bei schönem Wetter atemberaubende Blicke auf die Insel gewähren soll, dauert nur kurz. So lassen wir den Weg zum Gipfel am Parkplatz "Contadero" links liegen und laufen weiter unserem angepeilten Etappenziel entgegen.
Als wir nach ca. 7,5 km Weg durch den Nationalpark diesen wieder verlassen, sind wir ein bißchen enttäuscht. Dies wird dadruch verstärkt, dass statt Lorbeerbäumen, Heidegewächsen und riesigen Farnen nun verbrannte und umzäunte Parzellen den Weg säumen.
Ich hatte mir für unseren heutigen Zeltplatz grob die Gegend südlich des Stausees "Las Cabecitas" herausgesucht. Doch durch den Nebel, der die Sicht auf einen Radius von ca. 15 Metern beschränkt, ist es unmöglich, einen geeigneten Zeltplatz oder einen Weg am See vorbei auszumachen. So bleibt uns nichts anderes übrig, als auf gut Glück weiterzulaufen, um zu sehen, ob sich in der Nähe des Weges ein geeigneter Zeltplatz auftut.
An der nächsten Abzweigung verlassen wir den Hauptweg und folgen einem kleinen Fußpfad, der uns durch mehrere Büsche hindurchführt. Wenige Minuten später werden wir fündig und schlagen unser Zelt auf einer ausreichend großen Fläche zwischen den Sträuchern Kein besonders toller Platz, aber besser als gar nichts.
Die Nacht über scheint der Regen überhaupt nicht mehr aufzuhören.
Die Waldläufer