Tag 4 (26.10.05):

Während wir unsere Sachen zusammenpacken laufen ein paar Grüne Meerkatzen über den Camping-Platz. Sie halten einen großen Sicherheitsabstand, was ich zu diesem Zeitpunkt noch als schade empfinde, weil wir dadurch nur durchs Fernglas die putzigen Tierchen anschauen können.

Endlich können wir das Auto auch mal stehen lassen und uns auf dem Eerstefontein-Trail durch das Valley of Desolation etwas die Beine vertreten. So wandern wir für ein paar Stunden durch diese wirklich beeindruckende Landschaft und haben auch schon unsere erste Wildtierbegegnung: eine riesige Schildkröte konnte wohl als einziges Tier nicht schnell genug vor uns davon laufen und wird jetzt erstmal ausführlich fotografiert. Schildkröten gehören definitiv zu meinen Lieblingstieren, weil sie auf mich so einen ruhigen, ausgeglichenen und streßfreien Eindruck machen. Eigenschaften, die ich an mir ab und zu vermisse...

Auf dem Rückweg zum Auto haben wir noch mal richtig Glück: In ca. 200 Meter Entfernung entdecken wir vier Kap-Bergzebras, die laut unserem Reiseführer nur noch in wenigen Nationalparks anzutreffen sind. Inzwischen ist dieses wunderschöne Tier nicht mehr vom Aussterben bedroht, gilt jedoch allgemein noch als bedroht.

Kap-Bergzebras auf dem Eerstefontein-Trail

Die Fahrt geht anschließend weiter Richtung Oudtshoorn, wo unser erstes Ziel die nahegelegenen Kangoo-Caves sind. Als wir dort ankommen, werden wir erstmal richtig enttäuscht. Für die Adventure-Tour, bei der man auch in tiefergelegene Höhlenabschnitte gelangt und auch mal ein bißchen klettern darf, sind wir 15 Minuten zu spät dran. Da am nächsten Tag die erste Adventure-Tour auch erst um 09.30 Uhr startet, entscheiden wir uns schweren Herzens für die normale Besichtigung.

Nachdem die Besucher in drei Gruppen (engl., franz., holländisch) eingeteilt wurden, starten wir in die Tiefen der Kangoo-Caves. Wie Kinder auf dem Rummelplatz laufen wir staunend von Höhle zu Höhle. Stalagniten und Stalagtiten in den verrücktesten Formen wohin das Auge reicht. Anne setzt sich ab, um ein paar Fotos zu machen. Der Führer der französisch sprachigen Gruppe steuert auf mich zu. "Where do you come from?" fragt er. "Germany." Er klatsch enzückt in die Hände. "Ich habe dort vier Jahre in Berlin studiert!" sagt er in fast akzentfreiem Deutsch. Er deutet auf eine Formation: "Was ist das?" "Castle Neuschwanstein?!" "Richtig! Sehr gut!" Er hat eine extrem tuntige Art und sein Rumgehüpfe und sein ständiges Streicheln meines Arms machen mich nervös. "Und wer hat es gebaut?" "König Ludwig." "Und welcher?" "Der vierzehnte!?" Autsch! Das tat weh! Noch während mir die Zahl rausrutscht, ärgere ich mich über meine eigene Dummheit. Klar, der französische Sonnenkönig baut in Bayern ein Schloß! Zu meiner Entschuldigung muss ich sagen, dass mich der Typ echt nervös gemacht hat. Er verzieht das Gesicht: "Neiiiiiiiiiiin!" "Der Zweite. Just kidding!" verbessere ich mich schnell. Seine Miene hellt sich auf und er tätschelt mir wieder lächelnd den Arm: "Richtig!" Ich sehe Anne vor einem Felsen Fotos machen. "Ich muss meiner Freundin sagen, dass sie Neuschwanstein fotografieren muss. Bye!" Verkrampft gehe ich zu Anne, froh, diese Nervensäge endlich los zu sein.

Um eines klar zu stellen: Ich hab NICHTS gegen Homosexuelle! Es ging einzig und allein um die Art, die dieser Kerl an den Tag gelegt hat, weswegen ich mich so unwohl gefühlt habe.

Steinformationen in den Kangoo-Caves

Die Nacht verbringen wir auf dem Zeltplatz eines Backpacker's. Beim Kochen lernen wir einen Arzt aus Panama kennen, der nach seiner Arbeitsunfähigkeit um die Welt reist. Wir unterhalten uns noch eine Weile mit ihm, bis wir müde ins Zelt fallen und sofort einschlafen.