Tag 4 (15.11.05)
Nach dem Aufstehen wieder mal das gewohnte Bild. Eine undurchdringliche Nebeldecke hat sich direkt in das Tal vor unserer Hütte gelegt. Wir haben uns gedanklich bereits mit der Tatsache abgefunden, heute wieder in unseren Jacken zu laufen.
Ein Haus in den WolkenNachdem wir unsere Instant Oat-Portionen, die wir langsam schon nicht mehr sehen können, runtergewürgt haben, machen wir uns auf den Weg. Als wir die Hütte verlassen, sind wir positiv überrascht: Der Nebel hat sich so gut wie ganz verzogen und hinter den wenigen übriggebliebenen Nebelfetzen sehen wir einen strahlend blauen Himmel.
Eine Stunde späterLaut unserer Karte erwartet uns gleich das steilste Stück des Trails, der Black Eagle Pass. In der Tat geraten wir unter der immer wärmer werdenden Sonne auf dem steilen Weg ganz schön ins Schwitzen. Nach einer halben Stunde nur ist es aber auch schon wieder überstanden und wir laufen eben auf dem Plateua des Passes entlang. Eine sagenhafte Aussicht tut sich vor uns auf und wir nehmen uns erst mal Zeit Fotos zu schießen.

Über uns ziehen ein paar majestätische Vögel, bei denen es sich vermutlich um Black Eagles handelt, ihre Bahnen.
Und immer weiter wandern wir durch diese überwältigend schöne Landschaft, unterhalten uns ein bißchen oder hängen unseren Gedanken nach. Ich vermute, dass man in solch schönen Landschaften am besten
seine Sorgen vergessen kann, weil einem dort wirklich bewusst wird, wie klein und unbedeutend man doch eigentlich ist. Es scheint, als wolle einem die Natur sagen, dass man nicht alles immer so
furchtbar ernst nehmen, sondern lieber das Leben genießen soll.
Nicht nur über den Wolken ist die Freiheit grenzenlosDa das Wetter keine Anstalten macht schlechter zu werden, kein reissender Fluß überquert werden muss und auch sonst kein Grund zur Eile vorliegt, lassen wir uns für die heutige Etappe alle Zeit
der Welt.
Nach ein paar Stunden tut sich vor uns das Giant's Castle auf, eine Felsformation, die ihren Namen auf Grund ihrer Ähnlichkeit mit einer Burg trägt.
Burgen gibt es in Südafrika eigentlich fast nur in dieser
FormDoch sehr nahe kommen wir nicht an das Giant's Castle heran. Einige Kilometer vorher haben wir schon unser heutiges Tagesziel, die Swiman-Hut erreicht. Bei ihr handelt es sich um eine ehemalige
Jugendherberge. Dementsprechend ist dort auch elektrisches Licht und warmes Wasser vorhanden. Gerade heute, wo es richtig schön warm ist, findet sich keine Schwimmgelegenheim in der Gegend.
So müssen wir uns mit einer Dusche begnügen.
Beim Kochen unserer obligatorischen Nudelportionen entdecken wir in der Küche eine Gottesanbeterin. Für eine gute halbe Stunde ist das schöne Insekt Mittelpunkt unseres Interesses. Es ist einfach
schön, wie man sich an solchen Kleinigkeiten so erfreuen kann. Wir vermissen weder den Fernseher noch irgendein anderes Unterhaltungsmedium und das fühlt sich wahnsinnig gut an.
Mir geht es heute nicht besonders gut, deshalb gehe ich früh zu Bett und schlafe auch sofort ein.
Während ich schlafe und Anne ein bißchen im Reisetagebuch schreibt, klopft es von draußen an unserem Fenster.
"Andreas und Joachim sind da. Sie haben in der Ferne Wetterleuchten gesehen. Mit einer Taschenlampe laufe ich ihnen hinterher. Etwas derartiges habe ich noch nie gesehen: Über einem weite entfernten
Landstrich hängen dichte Wolken, aus denen ständig Blitze zucken und die Nacht gespenstisch erhellen. Dabei ist es ganz ruhig, es ist kein Donnern zu hören. Trotzdem hätte ich es am ehesten für ein
weit entferntes Gewitter gehalten - auch wenn ich noch kein Gewitter erlebt habe, bei dem die Blitze so schnell aufeinander folgen. Aber Andreas meint, das sei wohl Wetterleuchten und ein ganz
eigenes Phänomen. Erklären kann es keiner von uns so richtig, aber es ist faszinierend."
Na toll. Egal ob es jetzt Wetterleuchten oder einfach ein beeindruckendes Gewitter war, schon wieder habe ich ein nächtliches Ereignis verschlafen. Ich weise Anne an, mich das nächste Mal auf jeden
Fall zu wecken, wenn wieder etwas tolles passiert. Ich verschlafe noch den ganzen Urlaub....
Die Waldläufer