Tag 3 (13.02.08):

Nach dem Aufwachen nutzt Anne eine Regenpause, um Fotos vom Sonnenaufgang zu machen.

Während unseres Frühstücks und des Zeltabbaus nieselt es, doch als "Entschädigung“ bekommen wir einen Regenbogen von selten gesehener Intensität zu bestaunen.

Unser heutiger Weg führt uns in ständigem Bergab zum Playa de la Caleta, an dem wir die Nacht verbringen wollen, da laut unseres Reiseführers das Wildzelten toleriert werde. Immer wieder bleiben wir am Wegrand stehen, um uns an den Blicken hinab auf das blau-grüne Meerwasser, schwarze Lavasandstrände und Steilküsten mit weißer Gischt zu erfreuen.

Nach gut sieben Kilometern tauchen vor uns die Casas Del Palmar auf. Obwohl die Türen und Fenster offen stehen und Schilder auf den Verkauf von Bananen hinweisen, ist keine Menschenseele zu sehen oder zu hören. In der Nähe verlassener Häuser herrscht oftmals eine unheimliche Atmosphäre. Da dies auch hier der Fall ist, wandern wir schnell weiter.

Casas del Palmar

Das Wetter scheint heute nicht nur alle Jahreszeiten in einem Tag vereinen zu wollen, sondern dies auch noch mehrmals hintereinander. Fast minütlich wechseln sich Sonne und Regen, Hitze und Kälte, Wind und Stille ab. Wenn die Sonne ungehindert zu uns durchscheint, wird es in der Regenjacke schnell zu heiß. Wir kommen mit dem An- und Ausziehen der Jacke fast nicht nach, müssen ständig auf Schwitzen oder Frieren reagieren.

Einen weiteren guten Kilometer hinter den Casas Del Palmar erreichen wir einen Aussichtspunkt, an dem zum ersten Mal der Playa de la Caleta in Sicht kommt. Durch das viele Schwitzen freuen wir uns inzwischen schon riesig auf ein erfrischendes Bad im Meer.

Am Strand angekommen müssen wir feststellen, dass das Meer leider zum Baden zu unruhig ist. So lassen wir uns zuerst einmal auf der Terrasse des kleinen Restaurants "Macondo" nieder und bestellen einen riesigen, frischen Salatteller zum Mittagessen. Frische Lebensmittel sind geschmacklich einfach unvergleichlich und durch kein Tütenessen der Welt zu ersetzen, so praktisch dieses auch sein mag.

Das kleine Restaurant "Macondo"
Playa de la Caleta

Bei der Restaurantinhaberin handelt es sich um eine Deutsche, die vor ca. einem Jahr nach La Gomera ausgewandert ist, um sich dort ihren Traum vom Aussteigen zu erfüllen. An unseren Rucksäcken erkennt sie scheinbar unsere Pläne von der Übernachtung am Strand und warnt uns vor der lokalen Polizei, die entgegen der Angaben in unserem Reiseführer sehr wohl etwas gegen Übernachtungen am Strand einzuwenden hat. Vor einiger Zeit habe ein Wanderer, der mit seinem Zelt am Playa de la Caleta erwischt worden ist, 400 Euro Strafe zahlen müssen. Ich bin zwar etwas skeptisch, ob die Ratschläge wirklich so ganz uneigennützig sind, aber da wir uns den Strand viel ruhiger und nicht so gut besucht vorgestellt hatten, hatten wir vorher sowieso schon unsere Pläne von der Zeltübernachtung gecancelt und wollten stattdessen weiter nach Hermigua laufen.

 

Die Wirtin bietet uns netterweise noch an, dass sie unser Gepäck nach der Arbeit mit nach Hermigua nehmen könne. Wir nehmen den Vorschlag dankend an und laufen unbeschwert die 2,5 km und je 200 Höhenmeter im Auf- und Abstieg nach Hermigua.

Auf dem Weg nach Hermigua: Blick zurück auf Playa de la Caleta
Das Städtchen Hermigua, dessen Ortsteile über das ganze Tal verteilt sind

Die Pension „Casa Creative“, bei der wir uns zur Gepäckübergabe verabredet hatten, ist bereits voll. Da sich die Ortschaft Hermigua ca. 4 km durch das Tal zieht, haben wir keine Lust, bei jeder Pension einzeln nachzufragen, ob ein Zimmer für die Nacht frei wäre, nur um dann evtl. weitergeschickt zu werden.

 

Glücklicherweise findet sich in der Nähe der Casa Creativa ein Büro des „Ecotural“, in dem uns eine englischsprechende Angestellte übers Telefon ein Zimmer in der Appartementanlage „Los Telares“ vermittelt.

 

Pünktlich zur vereinbarten Uhrzeit kommt die Wirtin des "Macondo" mit unserem Gepäck an der "Casa Creativa" an. Jetzt, da wir uns um die Zimmersuche und unser Gepäck keine Gedanken mehr zu machen brauchen, können wir gemeinsam mit ihr einen entspannten Abend in der "Casa Creativa" und der "Bar Piloto" verbringen, wo wir auch ein hervorragendes Abendessen zu uns nehmen. Später werden wir von ihr noch zu unserem Appartement gefahren und bekommen dabei noch eine umfangreiche nächtliche Stadtbesichtigung Hermiguas, welches sich zu unserem Erstaunen noch viel mehr als angenommen in dem Tal ausdehnt.

 

Unser Zimmer ist absolut sauber und macht einen ordentlichen Eindruck. Außerdem ist es mit knapp 35 Euro pro Nacht auch nicht zu teuer.

 

Für morgen ist ein Ruhetag vorgesehen, an dem geplant ist, zum Baden zu gehen.