Tag 3 (25.10.05):
Als ich am nächsten Morgen die Augen aufmache, merke ich, dass draußen bereits eine strahlende Sonne auf uns wartet. Keine Spur mehr von dem Unwetter, das uns gestern noch
heimgesucht hat. Vielleicht war ja auch alles nur ein Traum gewesen. Noch etwas wackelig auf den Beinen wanke ich nach draußen. Enttäuschung macht sich breit: Die verbogenen Zeltstangen draußen
machen mir bewusst, dass es sich leider nicht um einen Traum gehandelt hat. Unser schönes Zelt steht immer noch ein wenig schief da. "Naja," denke ich mir, "das war wohl der monatliche Regenschauer."
Ab jetzt würden wir garantiert Sonne pur haben!!
Nach einem Frühstück packen wir unsere Sachen zusammen, ordnen den Kofferraum des Autos neu und folgen weiter der N1 Richtung Große Karoo, der Halbwüste, die sich über weite Teile von Südafrika
erstreckt. Einst gaben ihr Buschmänner den Namen "kuru", was so viel wie "trocken" bedeutet. Wie sich herausstellt ein passender Name.
Nach einem kurzen Zwischenstopp in Bloomfontein, wo wir unsere Campingausrüstung um einen Hammer und zwei Gaskartuschen erweitert haben, kommen wir gegen 17:00 Uhr in der netten Ortschaft
Graaff-Reinet, an der Grenze des Karoo Nature Reserve, an. In unserem Reiseführer steht, dass das Valley of Desolation in der Abenddämmerung ein atemberaubender Anblick sein soll. Da die Sonne sich
langsam dem Horizont nähert, checken wir nur schnell beim Camping-Platz ein und fahren dann sofort weiter in das NR. Wir fahren eine knappe halbe Stunde bergauf, bis wir an einen recht gut gefüllten
Parkplatz ankommen. Nach kurzem Fußmarsch gelangen wir an den Hauptaussichtspunkt. Die erste atemberaubende Aussicht dieses Urlaubs tut sich auf: Vor der weiten Ebene der Karoo stehen vereinzelt ein
paar wilde Hügel, wobei ein oben spitz zulaufender, runder Hügel besonders ins Auge sticht. In dem roten Licht der Abenddämmerung erinnert das Valley of Desolation stark an den Wilden Westen der USA
und verkörpert Abenteuerstimmung pur. Der Lonely Planet Reiseführer hat Recht: Das ist einer der Orte, an dem Du Dir wünscht, ein Adler zu sein. Wie ein Adler über das einsame Tal fliegen können wir
leider nicht, aber hindurchwandern. Wir planen für morgen einen Tageswanderung, bevor wir noch den 1,5km langen Rundweg gehen. Leider müssen wir uns etwas sputen, um einer lauten Touristengruppe zu
entkommen.
Valley Of Desolation
Wieder am Camping-Platz angekommen bauen wir im Dunkeln das verbogene Zelt auf, das ich diesmal auch an den Sturmabspannungsschlaufen abspanne. Anschließend gehen wir zum ersten Mal dem größten
Hobby der Südafrikaner nach: Braai, also Grillen. Dadurch, dass es in diesem Land schon so früh dunkel wird, geht einem ziemlich viel Zeit verloren und der Tagesablauf wird enorm gedrückt.
In der Toilette hängen Schilder, auf denen zu lesen ist, dass das Füttern von Affen zwangsläufig zu deren Erschießung führt. Zu diesem Zeitpunkt ist mir noch nicht so ganz klar, was damit gemeint
ist. vielleicht gesundheitliche Probleme durch Überfettung?
Die Waldläufer