Tag 30 (21.11.2005):

Nach dem Aufstehen bemerke ich eine innere Unruhe in mir. Ich habe Sehnsucht nach Stille, Einsamkeit und unberührter Natur. Was könnte es da besseres geben, als wandern zu gehen. Leider geht es Anne heute nicht so gut und sie beschließt schweren Herzens, im Zelt zu bleiben.

In dem Resort verlaufen vier Trails: der 2 km lange "Tuffa Trail", der 3 km lange "Loerie Trail", der 4 km lange "Guineafowl Trail" und der 5 km lange "Leopard Trail". Da die Wege teilweise in einander übergehen, beschließe ich, einfach so viele von ihnen zu laufen, wie ich Lust und Laune habe.

Mit der Kamera bewaffnet steige ich vom Campingplatz immer weiter nach unten in Richtung des bewaldeten Canyon. Sogar als ich noch auf der Asphaltstraße spaziere, um zum Start des Trails zu gelangen, schlägt mein Herz beim Anblick der Natur schon höher.

Nach nur wenigen Minuten habe ich den Start des Trails gefunden, der rechts von der Straße in den Wald hinein führt. Es ist, als tauchte ich in eine andere Welt ein: Wie ein Ausflug ins Dschungelbuch kommt mir die Wanderung vor.

Nur ein kleiner Pfad ist es, der mich mich an exotischen Pflanzen und kleinen Weihern mit paradiesischen Wasserfällen vorbei führt. Über mir nur das Grün der Bäume und das Blau des Himmels, um mich herum nur die Geräusche des Waldes. Außer mir ist kein Mensch in diesem Wald unterwegs - ein unglaublich befreiendes und intensives Gefühl. Ich verliere jegliches Zeitgefühl, während ich im Wald unterwegs bin. Als der erste Trail vorbei ist, habe ich noch immer nicht genug von dieser atemberaubenden Schönheit. Und ich laufe und laufe...

Immer wieder denke ich an Anne und ich bedauere, dass ihr diese Anblicke verwährt bleiben.

Als der Weg einen steilen Abhang hinunterführt, wartet am Ende des Gefälles diese nette Pflanze auf mich:

Als der Weg einen steilen Abhang hinunterführt, wartet am Ende des Gefälles diese nette Pflanze auf mich =>

 

Es ist besser, beim Hinuntergehen nicht zu stolpern, ermahne ich mich zur Konzentration.

Am Ende des Tages bin ich alle vier Trails gelaufen und was ich auf dieser Wanderung sehen durfte, gehört mit zu dem Schönsten, das ich jemals gesehen habe. Ich fühle mich wie ein neuer Mensch. Was so ein Tag in der Natur doch alles bewirken kann...

Ich versuche bei meiner Rückkehr, nicht zu begeistert zu klingen. Doch als Anne die Fotos auf dem kleinen Display der Digitalkamera ansieht, ist ihr die Enttäuschung doch deutlich anzumerken. Ich bin mir sicher, dass ihr diese Wanderung auch mehr als gut getan hätte.

Im Laufe des Tages hat sich Annes Zustand zum Glück gebessert, so dass sie wenigstens ein bißchen den Tuffa Trail entlang laufen konnte.

Als es langsam aber sicher der Abenddämmerung entgegen geht, machen wir uns noch mit dem Auto zum "World's End" auf, einem in höchsten Tönen gelobten Aussichtspunkt auf den Blyde River Canyon.

Beim Anblick des Canyons, der nach dem Grand Canyon (USA) und dem Fish River Canyon (Namibia) der drittgrößte der Welt ist, bleibt uns beiden die Luft weg. Minutenlang können wir uns von diesem imposanten Anblick nicht losreißen.