Tag 2 (12.02.08):
Als ich am Morgen aufwache, höre ich immer noch das kontinuierliche und monotone Trommeln des Regens auf unserem Zelt. Bei einem Blick aus dem Zelt zeigt sich die ganze Umgebung wolkenverhangen, aber nichtsdestotrotz faszinierend und geheimnisvoll, was vor allem an den vereinzelten Sonnenstrahlen liegt, welche immer wieder die Wolkenschicht durchdringen.
Ehrlich gesagt hatte ich mir das Wetter auf den kanarischen Inseln doch etwas sonniger erhofft. Aber im Reiseführer stand ja, dass man im Februar bis zu zehn Regentagen rechnen müsse. Wir werden 11 ganze Tage auf Gomera sein. Als alter Wetterpessimist ist mir sofort klar, wann diesen Februar die zehn Regentage sein werden.
Der Zeltabbau erfolgt noch im Regen, doch kurze Zeit später schiebt die Sonne die Wolken immer weiter zur Seite und soll uns für den Rest des Tages weiter begleiten.
Wir laufen den Stangenpfad zu der Stelle, an der wir gestern Richtung Cuevas Blancas von der Hautroute abgebogen sind und kehren auf diese Richtung Norden zurück.
Wir haben fast kein Wasser mehr und unser Plan ist, unseren Vorrat bei der kleinen Siedlung „Enchereda“ wieder aufzustocken. Von weiten schon sehen wir Bauarbeiter auf dem Flachdach eines Gebäudes. Als wir schließlich dort ankommen, dürfen wir unsere Flaschen an einem Wasserschlauch auffüllen.
Der weitere Weg führt uns den ganzen Tag auf einem Fahrweg entlang. Nicht sehr abwechslungsreich, aber immerhin doch auch regelmäßig mit schönen Blicken in die darunter liegenden Schluchten.
Nach zehn Kilometern Tagesstrecke erreichen wir den Raso De Juel, den ich als eine Möglichkeit für unseren heutigen Zeltplatz auserkoren hatte. Die zweite Möglichkeit, die etwas weiter nördlich liegenden Riscos De Juel, sehen aus der Ferne durch steinigen Untergrund und wenige ebene Flächen nicht sehr erfolgsversprechend aus. Daher beschließen wir, hier zu bleiben. Wir übersteigen einen kleinen Hügel, um zum dahinter liegenden, langen Grat zu gelangen, und finden dort einen traumhaften, mit mehreren Kiefern umringten Zeltplatz.
Da wir bereits gegen 16:00 Uhr mit dem Lager fertig sind, können wir es uns den restlichen Nachmittag gemütlich machen. Die meiste Zeit verbringen wir damit, zu lesen oder die atemberaubenden Ausblicke von unserem Grat auf die daneben liegenden Barrancos, den Playa Molino, das Meer und Teneriffa zu genießen und auf Bild zu bannen.
Nachts regnet es wieder.
Die Waldläufer