Tag 29 (20.11.2005):

In der Nacht geht ein heftiger Regenschauer auf unser Zelt nieder und am nächsten Morgen ist alles naß und dreckig. Wir bauen unser Zelt ab und versuchen dabei, so wenig Dreck wie möglich mit ins Auto zu laden. Während des spärlichen Frühstücks beschließen wir, heute nicht mehr allzu lange im Krüger zu bleiben, um möglichst bald zu unserem nächsten Ziel, der Panorama Route mit dem Blyde River Canyon, zu gelangen.

Auf dem Weg aus dem Park sehen wir noch die Zukunft des süßen Hyänen-Babies. Und das ist wahrlich keine sonnige Aussicht für das Kleine:

Diese Hyäne haben wir übrigens "Einstein" getauft.

Wir verlassen also den Krüger Park, der uns so viele unvergessliche Erinnerungen beschert hat, und fahren weiter Richtung Panorama Route.

Bei Graskop treffen wir dann nach wenigen Stunden Fahrt auf die am Gebirgszug des Drakensberg Escarpment entlang laufende Route und folgen ihr nach Norden. Sie führt Touristen zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Region. Die besondere geologische Begebenheit ist, dass dort das "Highveld", also die Ausläufer der Drakensberge, plötzlich in das östlich liegende "Lowveld" übergeht. So ergibt sich dort eine steil abfallende Kante von bis zu 1600 Höhenmetern.

Unser erster Stopp auf der Panorama Route ist der "Pinnacle", eine steil aus einer Schlucht hervorstehende Felsnadel.

Landschaftlich ist das Gebotene sicher ansprechend, aber mir sagen die Touristenmassen so gar nicht zu. Und so klettern wir nur noch für kurze Zeit ein bißchen in der näheren Umgebung umher, fotografieren noch einen Wasserfall, der in eine von Farnen und Palmen bewachsene Schlucht stürzt, und fahren dann sogleich weiter zu unserer nächsten Etappe.

Um zu Fuß vom Parkplatz zu "God's Window" zu gelangen, müssen wir uns erst einmal durch Heerscharen von Touristen kämpfen, die an den zahlreichen Verkaufsständen Souvenirs erstehen. Südafrika ist ein armes Land, was den Großteil der Bevölkerung angeht, und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass versucht wird, aus den vielen Touristen Kapital zu schlagen. Und glücklicherweise sind die Verkäufer bei weiten nicht so aufdringlich, wie man es aus anderen Ländern vielleicht kennt. Teilweise finden sich an den Ständen auch wirklich schöne Stücke afrikanischer Handwerkskunst.

Der Anblick, der sich uns durch das Fenster Gottes bietet, ist atemberaubend. Auch wenn es heute etwas diesig ist, bietet sich doch ein weiter Blick über das angrenzende Lowveld. An schönen Tage soll man hier sogar bis zum Krüger Park sehen können.

God's Window

Überraschenderweise treffen wir bei unserer nächsten Etappe nicht wieder auf den üblichen Touristenstrom. An den "Lisbon Falls" ist es erfreulich menschenleer. Wir entschließen uns, zu den Pools des Wasserfalls hinüber zu klettern und dort erst mal gemütlich Mittags-Picknick zu machen.

Lisbon Falls

Nach den "Lisbon Falls" geht es weiter zu den "Berlin Falls". Dieser Wasserfall ist zwar nett anzusehen, bietet aber sonst wenig, was uns noch länger an diesem Ort halten könnte.

Berlin Falls

Und so steuern wir bereits der nächsten Attraktion entgegen, den "Bourke's Luck Potholes".

Auf diese Attraktion habe ich mich sehr gefreut, denn ich erwartete, dort endlich mal auch wieder etwas Individualismus zu erleben. Doch die touristische Ausschlachtung des Landes hat hier besonders negative Züge angenommen. Hat mir hier ein Poster der South African Airways noch versprochen, "in grenzenloser Freiheit die Beine über dem Fluß baumeln lassen zu können", sieht die Realität ganz anders aus. Zuerst ein Kassenhäuschen und dann ein asphaltierter Weg durch die früher einmal sehr schöne Canyon-Landschaft, der auf voller Länge von einem Zaun begrenzt wird. Kontakt zur Natur ist hier in keinster Weise möglich.

Ein Blick in den Fluß zeigt auch, warum der Mensch so ausgesperrt werden muss: Überall schwimmen Abfälle, wie Dosen oder Plastikbehälter, im Wasser. Für die "Luck Holes", eigentlich faszinierende Auschwaschungen im Fels durch den Fluß, habe ich nicht mehr den rechten Blick. Mir sind der Müll, der Lärm und die Touristenmaßen inzwischen schon viel zu viel und das Programm heute entspricht nicht meiner Auffassung von Urlaub. Und auch Anne wird von Stopp zu Stopp genervter.

Am frühen Abend kommen wir schließlich im Aventura Blydepoort Resort an, einem Campingplatz, der in der Hochsaison hunderten von Zelten Platz bieten kann. Heute sind wir zum Glück die einzigen Gäste.

Die Stimmung ist heute abend etwas gedrückt. Für uns beide ist klar, dass wir in Zukunft lieber weniger ansehen wollen, dafür aber "intensiver". Ein Urlaub sollte doch keine Schatzjagd sein, bei der man versucht, möglichst viele "Schätze" einzusammeln. So abgedroschen es auch klingen mag: "Qualität statt Quantität" ist besonders im Urlaub eine wichtige Regel.

Auch über die Örtlichkeiten machen wir uns Gedanken. Je einfacher eine Landschaftsschönheit zu erreichen ist, umso mehr Menschen kommen, um sie zu sehen. Das widerrum führt unausweichlich zu einer Kommerzialisierung der Örtlichkeit. Denn überall dort, wo man mit dem Auto oder Bus bis "vor die Haustüre" fahren kann, ist die Ruhe und Einsamkeit der Natur eigentlich schon verloren. Vielleicht muss man sich wahre Naturschönheit einfach "erarbeiten"?! Bergtouren, Trekkingtouren, Kanureisen - das sind Reisen in die wahre Seele der Natur.