Tag 23 / Giant's Cup Hiking Trail Tag 3 (14.11.2005):

Die Freude nach dem frühen Aufwachen ist groß: Am Himmel lacht uns wieder die Sonne entgegen. Eifrig packen wir unsere Rucksäcke und schlingen voller Vorfreude auf diesen Wandertag unser Instant-Oat-Meal runter. Doch als wir abmarschbereit vor die Türe treten, macht sich doch ein wenig Enttäuschung breit. Wieder haben sich dunkle Wolken am ganzen Himmel ausgebreitet und die Sonne verdunkelt.

Nichtdestotrotz laufen wir gutgelaunt los. Die Wanderstrecke verläuft heute sehr eben und wir müssen uns kaum anstrengen. Der Wind veranlasst uns sogar, unsere Funktionsjacken anzuziehen.

Wieder führt uns der Weg scheinbar in die Unendlichkeit dieser wildromantischen und einsamen Landschaft. Anne, die vor unserem Abflug einige negative Erlebnisse hatte, scheint alles um sich herum zu vergessen und wie in Trance zu wandern. In unserem Reisetagebuch lässt sie einen Blick in ihre Gedankenwelt zu: "Wie auch schon in den letzten Tagen merke ich, wie belastende Gedankenkreisel und die Sorgen der letzten Wochen vor dem Urlaub allmählich verblassen und in die Unbedeutsamkeit entschwinden." Trekken ist ein bißchen wie Meditieren. Gerade in den Drakensbergen scheinen den Gedanken keine Grenzen gesetzt zu sein.

So weit das Auge reicht und die Füße tragen

Von einer Naturschönheit zur nächsten wandert unser Blick, während wir Kilometer um Kilometer hinter uns bringen.

Wasserfall neben dem Giant's Cup Hiking Trail

Als wir um einen Felsen herumwandern, zeigen sich die ersten Ausläufer der Zivilisation. Wir passieren eine Farm, von der uns ein dunkelhäutiger Bauer freundlich entgegenwinkt. Gutgelaunt winken wir zurück. Kurz darauf mündet der Trail auf eine große Asphaltstraße, an der wir ca. 3 km entlang laufen müssen. Immer wieder überholen uns Autos. Nachdem wir ein Tiergatter überstiegen haben, befinden wir uns auf einer mit Müll übersäten Wiese. Nebenan stehen ein paar heruntergekommene Wellblechhütten und der Bach, der zu unserer Rechten herabfließt stinkt nach Fäkalien. Krasser könnte der Stilbruch gar nicht sein. Das schlägt sich auch auf unsere Laune nieder.

Abstruserweise meint Anne, dass sie jetzt Mittagspause machen möchte. Ich kann nicht fassen, was ich gehört habe. "Hier?! Auf dieser dreckigen Müllhalde?! Auf keinen Fall!" Normalerweise gilt die Regel, dass wir Pause machen, wenn einer eine Pause benötigt, aber das hier geht zu weit. Wir geraten ein wenig in Streit. Ich merke, dass dies nur ein Ausbruch aufgestauter Aggressionen ist, die aus Anne heraus müssen. Ich gehe weiter und Anne folgt mir motzend. Doch als wir über den Müllhügel gestapft sind, ist der Ärger vergessen. Vor uns breiten sich schöne Pferdekoppeln aus, dahinter die Winterhoek Huts, unsere heutige Tagesetappe.

Die "Winterhoek Huts" vor dem "Black Eagle Pass"

Nach wenigen Minuten erreichen wir auch schon die Hütten, die den traditionellen afrikanischen Rundhütten nachempfunden sind. Anne gesteht, dass ich Recht hatte, was so gut wie nie der Fall ist. Dass ich Recht habe, meine ich. Die Brotzeit lassen wir uns so richtig schmecken. Inzwischen hat sich auch die Sonne ihren Weg durch die Wolken gebahnt und wärmt uns mit ihren Strahlen.

Eine Stunde nach uns treffen auch Joachim und Andreas bei den Hütten ein. Heute mal trocken zur Abwechslung. Kurz nachdem sie angekommen sind, machen sie sich auch schon wieder auf den Weg, um von der Straße als Anhalter ins nahe gelegene Himville zu fahren. Dort wollen sie ihren Lebensmittelvorrat aufstocken und sich für den Abend ein paar Bierchen besorgen. Ich bitte sie, mir Kleber für meine Sohle mitzubringen, die sich auf dem Weg halb vom Schuh gelöst hat.

Während die beiden weg sind, machen wir einen Spaziergeang zu einem Tümpel in der Nähe der Hütten. Das Wasser ist so braun, dass man weder den Grund noch irgendetwas darin erkennen könnte. Obwohl ich es normalerweise überhaupt nicht mag, wenn man im Wasser nichts sehen kann, ist die Versuchung letztendlich zu groß und wir drehen ein paar Runden im kühlen Nass.

War da gerade etwas an meinem Fuß?!

Nach dem Bad faulenzen wir völlig entspannt im Gras und lassen uns die Sonne auf den Bauch brennen. Um nicht völlig als Nichtsnutze dazustehen, sammeln wir noch Brennholz für ein schönes Lagerfeuer.

Andreas und Joachim kommen von ihrer Einkaufstour mit vollen Tüten zurück. Glücklicherweise haben sie auch Sekundenkleber bekommen und ich kann meine Wanderschuhe reparieren.

Als die Sonne langsam untergeht, sitzen wir zu viert am Feuer und erzählen Geschichten. Die beiden hatten heute auch eine Schlangenbegegnung mit einer Speikobra. Es gibt mit den beiden keine unangenehmen Gesprächspausen, wir schwirren völlig auf einer Wellenlänge. Wenn wir gerade nichts zu sagen haben, schauen wir einfach nur dem Tanz der Flammen zu und hängen unseren Gedanken nach.

Herz, was willst Du mehr?!

Ich habe mich selten so losgelöst und glücklich gefühlt.