Tag 1 (11.02.08):

Am nächsten Morgen machen wir uns zunächst auf die Suche nach einer Gaskartusche. Obwohl ich mir dieses Unterfangen recht schwer vorgestellt hatte, werden wir bereits beim ersten Geschäft in der Seitenstraße hinter unserem Hotel fündig. Da es in dem Geschäft sogar Ventilkartuschen gibt, müssen wir nicht einmal wie befürchtet auf die ungeliebten Stechkartuschen ausweichen.

 

Anschließend lassen wir uns mit dem Taxi zum Ortsrand von San Sebastian fahren, da wir beide keine Lust haben, über doofe Asphaltstraßen ohne jeglichen landschaftlichen Reiz laufen zu müssen, während uns ein stinkendes Auto nach dem anderen überholt. Wir steigen also in das Taxi des ausschließlich Spanisch sprechenden Taxifahrers ein, zeigen ihm auf der Karte das gewünschte Ziel und nennen den gewünschten Ortsteil. „La Gallarda“. Der Fahrer nickt freudig, gibt Gas … und fährt erstmal in die komplett gegengesetzte Richtung los. Auf meine eilige Intervention bleibt er überrascht am Wegrand stehen und nimmt die Karte nochmal genauer in Augenschein. Als ich mit dem Finger in die gewünschte Richtung deute, schien ihm ein Licht aufzugehen. „Similar!“ lachte er. Anscheinend gibt es in der anderen Richtung eine Ortschaft, die so ähnlich klingt wie „La Gallarda“. Nachdem alle Unklarheiten beseitigt sind, fahren wir ohne weitere Probleme, aber mit einer Menge spanischer Erzählungen, von denen wir kein Wort verstehen, jedoch immer freundlich nicken, zu unserem Etappenstart.

 

Wir verabschieden uns von dem freundlichen Taxifahrer, der uns noch eine gute Reise wünscht. Als wir alleine sind, atmen wir erst mal tief durch und genießen den Blick über San Sebastian und die umliegende Landschaft. Voller Vorfreude schultern wir die Rucksäcke. Endlich wieder auf Tour!

Die Sonne scheint zwar, doch sind am Himmel bereits einige düster wirkende Regenwolken zu sehen. Der Anfang des gelb-weiß markierten Wanderwegs liegt direkt vor uns. Wir laufen los und folgen dem kleinen Weg, der uns sanft steigend nach Nord-Westen in Richtung der Cuevas Blancas, der weißen Höhlen, bringt. Die Landschaft um uns herum ist voller Kakteen, Agaven, Aloe Vera und Euphorbien. Auch vereinzelte Palmen säumen unseren Weg.

Die faszinierende Flora La Gomeras

Immer wieder gleitet unser Blick nach Nord-Osten, wo der Teide eindrucksvoll über Teneriffa thront.

Im Hintergrund: Teneriffa mit dem Teide (3.718 m)

Doch auch die Blicke über die wilde und schroffe Landschaft Gomeras begeistern uns.

Da die Steigungen nicht besonders steil verlaufen, empfinden wir den Weg als sehr angenehm, vor allem, weil am ersten Tag einer Tour der Rucksack noch am schwersten ist und die Glieder noch nicht so an das Laufen gewöhnt sind.

Nach 2 ¾ Stunden machen wir auf einem Plateau der „Punta de la Vaca“ gemütlich in der Sonne Rast. Die Regenwolken haben sich zum Glück inzwischen schon verzogen.

Als wir weiterlaufen dauert es nur gute 20 Minuten, bis wir den Anfang des Stangenpfads erreichen, der von der Hauptroute nach Nord-Osten abzweigt. Es ist faszinierend, wie rapide sich das Landschaftsbild verändert hat. Gerade eben noch, auf der Süd-Ostseite des Hochplateaus „Montana Ismael“, durch halbwüstenartige Bereiche mit Trockenpflanzen laufen wir jetzt auf der Nord-Westseite durch einen Kiefernwald.

Der Stangenpfad selbst ist mäßig ausgesetzt und stellt für einigermaßen erfahrende Berggeher kein Problem dar. Tief unten zu unserer Linken verläuft der wilde Barranco (Schlucht) de Majona.

Barranco de Majona

Als wir den zu unserer Rechten liegenden Kamm überschreiten, ändert sich das Landschaftsbild wieder schlagartig: der Kiefernwald verschwindet und macht einem leuchtenden Palmenhain Platz.

Wir beginnen langsam, nach einem geeigneten Zeltplatz Ausschau zu halten. Erst kurz vor den Cuevas Blancas werden wir fündig. Auf einem Plateau mit fantastischer Aussicht auf die Schlucht, das Meer und Teneriffa mit dem Teide, der immer wieder unseren Blick anzieht.

Unser Heim: Das Wechsel Forum 42

Nachdem das Zelt aufgebaut ist, machen wir noch ohne Gepäck einen Spaziergang zu den weißen Höhlen und den verfallenen Hütten. In der Dämmerung machen die verfallenen Häuser einen gespenstischen Eindruck auf uns.

Die verlassenen Casas de Cuevas Blancas

Außerdem treibt uns der Hunger zu unserem Zelt zurück, wo wir es uns bei einem Tütenessen gemütlich machen. Während wir gesättigt schon bald am Einschlafen sind, beginnt es zu regnen. „Soll es sich ruhig heute Nacht ausregnen, dann haben wir morgen wieder strahlenden Sonnenschein“ sage ich zu Anne und versinke sogleich im Land der Träume.