Tag 18 (9.11.2005):
Es ist erstaunlich, was so ein Ruhetag in unserem Körper bewirken kann. Gestern noch wären wir am liebsten überhaupt nicht aufgestanden, heute springen wir voller neuer Energie aus den Betten und
packen unsere Sachen zusammen. Auf dem Programm steht heute der erste richtig afrikanische Programmpunkt: Fotosafari im Addo Elephant National Park!
Nach einem erneut hervorragenden Frühstück verabschieden wir uns von den Gastleuten des "Lazee Bay" und brechen auf in Richtung AENP. Vorher jedoch durchsuchen wir noch ganz Jeffrey's Bay nach einem
Outdoor-Laden, in dem wir einen größeren Rucksack für Anne kaufen können. Das war die Voraussetzung, unter der ich den GCHT buchen durfte. Damit kann ich gut leben! Leider gibt es zwar in Jeffrey's
Bay einen Surferladen neben dem anderen, aber Wandern scheint hier nicht der große Renner zu sein.
Fündig werden wir dann erst 2 h später in einem riesigen Outdoor-Center in Port Elizabeth. Die Suche in der Großstadt empfinde ich als sehr anstrengend. Obwohl ich das Autofahren in Städten gewöhnt
bin, habe ich mich doch zu sehr an die Ruhe und Friedlichkeit auf dem Otter Trail gewöhnt. Der Kontrast zu dieser lauten und dreckigen Großstadt ist umso heftiger.
Am frühen Nachmittag erreichen wir den Addo Elephant National Park. Im Reservat schlagen wir dann erst einmal unser Zelt auf und brechen dann ganz erwartungsvoll auf in den eigentlichen Park.
Das Prinzip der südafrikanischen Nationalpark besteht darin, mit dem Auto auf den zumeist Sandstraßen eigenständig durch den Park zu fahren. Es ist strengstens verboten (weil zu gefährlich) das Auto
zu verlassen, außer es handelt sich um einen ausgewiesenen Aussteigeplatz. Und selbst da hat man immer noch ein mulmiges Gefühl, was durch die Schilder nicht unbedingt abgeschwächt wird.
Vorsicht Löwen! Aussteigen auf eigene Gefahr!
Auf der Suche nach unseren ersten Tierbegegnungen fahren wir durch eine schöne Landschaft, das sogenannte "Spekboomveld". Die ersten Tier zeigen sich uns in Form von Vögeln, Meerkatzen,
Warzenschweinen und Mistkäfern (auch wesentlich respektvoller als Pillendreherkäfer oder gar Skarabäus bekannt ;)), die übrigens im ganzen Park das "Right Of Way" genießen. Die Käfer sind für das
Ökosystem des Parks enorm wichtig, da sie durch das Vergraben der Kugeln aus Elefantenmist den Boden effektiv düngen.
Das alles ist ja sehr nett, aber ehrlich gesagt dürstet es uns jetzt schon nach den "großen" afrikanischen Tieren.
Nach etwa 2 Stunden nähern wir uns einem vor uns fahrenden Auto. Die Bremslichter des Fahrzeugs leuchte auf, der Wagen kommt zum Stillstand und darin bricht die totale Hektik aus: riesige Objektive
werden gezückt und das Auto wird mehrmals hin- und herrrangiert. Fest in dem Glauben, dass es dort etwas unheimlich Interessantes zu sehen gibt, suchen wir auch in der Richtung, in die die Objektive
zeigen. Nach einiger Zeit entdecken wir in großer Entfernung einen schwarzen Punkt, der sich bei genauerem Hinsehen mit dem Fernglas als einsamer Büffel herausstellt, der dort im Gebüsch versteckt
vor sich hingrast. Immerhin, es ist das erste Tier der "Big Five" (Elefant, Löwe, Büffel, Nashorn, Leopard), das wir sehen. Ich hoffe jedoch inständig, dass das nicht das Nächste war, wie die Tiere
an die Autos herankommen.
Wir fahren an dem Auto vorbei, in dem noch immer wie wild die Kameras klicken. Zu unserem Glück! Denn zwei Wegbiegungen später taucht plötzlich von links ganz leise und wie aus dem Nichts ein
Elephant auf. In aller Seelenruhe überquert der Elefant ca. 15 m vor uns die Straße. Wir können unser Glück gar nicht fassen.
He! Rechts vor links, Du Tölpel!
Vor lauter Faszination bemerken wir fast gar nicht, dass dem Elefanten noch fünf andere folgen. Darunter auch zwei süße Baby-Elefanten.
Probier's mal mit Gemütlichkeit!
Die Elefantenfamilie durchquert - unsere Anwesenheit völlig ignorierend - unser Blickfeld und geht zu einem kleinen Wasserloch, wo wir ihnen noch ausgiebig beim Plantschen, Trinken und Fressen zusehen können. Wir verschießen noch dutzende Fotos mit diesen faszinierenden Tiere, bevor die Familie weiter wandert.
Der Addo Elephant National Park trägt seinen Namen zu Recht
Als wäre jetzt der Bann gebrochen, sehen wir danach noch ganz viele Elefanten. Vermutlich liegt das daran, dass die Temperaturen zurückgehen und die brütende Hitze sich allmählich legt. Die
Begegnung mit der Elefantenfamilie war ein berührendes und packendes Erlebnis! Das wird uns noch mehr bewusst, wenn wir Touristen sehen, die Elefanten aus über 100m Entfernung fotografieren
müssen.
Noch einmal kommen wir einem Elefanten ganz nahe. Vielleicht sogar etwas zu nahe, denn der Bulle stellt bedrohlich die Ohren auf und geht ein bißchen auf die nervigen Autos zu. Ein sehr imposanter
Anblick!! Zum Glück sehen das auch die Fahrer der Autos hinter uns so und eine Kette von Autos fährt bereitwillig ein bißchen zurück.
Size does matter!!!
Ich bin noch immer ganz hin und weg, als die Sonne langsam untergeht und wir uns auf den Weg ins Camp machen müssen. "Jetzt fehlt nur noch ein Löwe, dann wäre der Tag perfekt." sage ich zu Anne, als wir einen einsamen Kießweg entlang fahren. Seit 2003 gibt es wieder ein paar Löwen (6+x) im Park, aber bei den paar Löwen auf 130 000 ha Parkfläche sind die Chancen nicht gerade die besten.
Ein paar Augenblicke später taucht vor uns auf dem Weg der Umriss eines Tieres auf. Anfänglich denke ich, dass da ein Hund auf uns zu trottet. Doch kurz darauf wird klar: es ist kein Hund, sondern ein Löwe!
What's new, pussycat?
Genauer gesagt ist es eine Löwin, die da keine zwei Meter neben unserem Auto ein paar Mal ins Gebüsch brüllt, so dass ich eine Gänsehaut bekomme. Nach dieser eindrucksvollen Demonstration verschwindet die Löwin wieder über den Hügel.
Die Königin der Tiere
Anne beschreibt unsere Gefühle in ihrem Tagebuch vollkommen treffend: "Solche Begegnungen sind echte Erlebnisse, brennen sich tief ein, werden zu kostbaren Erinnerungen."
In einem Zustand 100%iger Zufriedenheit lassen wir den Tag bei einem stilechten "Brai" mit Boerewurst, gegrillten Kartoffeln und Salat ausklingen und schmieden Pläne für die nächsten Tage.
Die Waldläufer