Tag 15 / Otter Trail Tag 4 (6.11.05):
Anne und ich sind die letzten, als wir gegen viertel nach sechs aufbrechen. Die Überquerung des Bloukrans-Rivers hat wohl allen Sorgen bereitet. Auch wir beeilen uns mehr als uns lieb ist, weil
wir so kaum Zeit haben, die tolle Natur, die nach wie vor nichts an Wildheit und Schönheit eingebüßt hat, wirklich zu genießen. Das Wetter ist trüb, kühl und verregnet. Das trifft im Übrigen auch auf
Annes Stimmung zu, die sich immer noch wegen ihres kleinen Rucksacks aufregt.
Das Wetter ist sogar so schlecht, dass wir es nicht einmal an den schönsten Stellen wagen, unsere Kamera auszupacken.
Und so eilen wir weiter dem Bloukrans-River entgegen. Wir gönnen uns auf dem Weg nur eine kurze Pause, um uns mit Äpfeln und Müsliriegeln zu stärken.
Immerhin erreichen wir auf diese Weise 1/2 Stunde vor Wassertiefstand den Fluß und haben so auch Zeit für eine warme Suppe zum Mittagessen. Hätte vorher auch keiner gedacht, dass man sich mal im
Frühling in Afrika über eine heiße Suppe freuen würde...
Der Fluß ist doch wesentlich breiter als der gestrige, aber auch er stellt uns vor keine ernsthaften Probleme. Man muss wieder ein kleines Stück landeinwärts laufen, den Fluß an der engsten Stelle
überqueren und dann auf der anderen Seite an den Felsen wieder in die andere Richtung zurück klettern. Bei dem Niesel-Regen ist das auf den glittschigen Felsen zwar nicht ganz leicht, aber die ganze
Gruppe schafft es sicher und trocken auf die andere Seite.
Als alle drüben sind, fängt es wie aus Kübeln zu schütten an. Glück gehabt! Bei diesem Regen wäre die Kletterei an den Felsen richtig gefährlich geworden.
Nachdem wir unsere komplette Regenausrüstung angezogen haben, laufen wir weiter. Es ist inzwischen richtig ungemütlich. Es geht natürlich auch wieder steil bergauf. Unter den Regenklamotten entsteht
bald ein Klima wie in der Sauna und nach kürzester Zeit ist innen alles genauso naß wie außen.
Der Pfad bergauf hat sich in einen kleinen Bach verwandelt, so dass uns jetzt Wassermaßen entgegen laufen. Meinen Kopf habe ich komplett in der Kapuze versteckt, den Blick starr auf den Boden
gerichtet.
*Dong* Ich stoße mir den Kopf an einem in den Weg ragenden Ast. Meine Laune ist nicht die beste. Der Regen lässt mir trotzdem keine Chance, den Blick zu heben. Möglichkeiten zum Unterstellen gibt es
weit und breit nicht.
*Dong* Der nächste Ast trifft meinen Kopf. "*zensiert*!!!" Völlige Verzweiflung, Frustration, Wut und ...*Dong*... Traurigkeit wechseln sich in mir ab.
Irgendwie ist das ganze so absurd, dass man lachen könnte. Anne tut das auch über mein kontinuierliches Fluchen, was meine Laune in dieser Situation aber auch nicht unbeding anhebt.
Trekking-Urlaub in Südafrika, genau wie man ihn sich vorstellt!!!
Nach ca. 1,5 Stunden und diversen *Dongs* treffen wir bei immer noch sintflutartigem Regen bei den Hütten "André" (wie sarkastisch) ein. Zuerstmal legen wir uns hin und machen ein kleines
Nickerchen.
Eine der Hütten "André"
Am späten Nachmittag hört es für eine Weile zum Regnen auf und es entsteht eine traumhafte Abendstimmung. Am Horizont türmen sich aber schon die nächsten Wolken auf...
After The Rain
Zum Duschen ist es viel zu kalt, auch wenn es jeder vertragen könnte. Und da keiner Lust hat, sich mit dem durchnässten Feuerholz rumzuschlagen, sind alle noch früher als sonst im Bett.
Die Waldläufer