Tag 14 / Otter Trail Tag 3 (5.11.05):

Wandern vor imposanter Kulisse

Gegen halb acht brechen wir auf. Die heutige Etappe ist in der Tat nicht so anstrengend wie die gestrige. Schweißtreibend bleibt der Otter Trail dennoch.

Heute haben wir zum ersten Mal sonnige Abschnitte zwischen den Wolken, meistens ist aber immer noch kühl und schattig. Auch dieser Tag führt uns durch eine wunderschöne Landschaft, die uns jedes Mal von Neuem fasziniert, fesselt und begeistert. Die traumhaften Ausblicke auf die Felsküste, die sich hinter Waldstücken immer wieder öffnen, gewinnen bei Sonnenlicht noch an Wärme.

Nach einiger Zeit erreichen wir den ersten Fluß. Die Überquerung ist nicht der Rede wert, zumindest von der Schwierigkeit her. Schön ist das River Mouth zweifellos. Auf einem Bein, damit kein Wasser an meine Wunde kommt, hüpfe ich durch das knöchelhohe Rinnsal. Gut, dass wir noch einigen Vorsprung vor den anderen haben. Für diesen Anblick hätte ich ungern Zeugen gehabt.

Wie dieser Fluß wohl nach heftigen Regenfällen aussieht?!

Nach dem Fluß geht es eine Zeit lang nur knapp über Meereshöhe entlang. Ein besonders schönes Teilstück des Weges verläuft nicht auf Klippen oder Kiesel, sondern auf Erdboden, mit einem dünnen Gürtel aus Schilf und blühenden Pflanzen zwischen sich und dem Meer...

...und auch die Sonne zeigt sich ein paar Mal.
Kaum zu glauben, dass dieses Tier ganz nah mit dem Elefanten verwandt sein soll.

Danach geht's mal wieder steil nach oben. An einem Steilhang entdecken wir beim Runterschauen eine Klippschliefer-Familie. Die Tierchen sind bei weitem nicht so fett und überfressen wie im Touristen-Ort Hermanus.

 

Kurze Zeit später blicken wir von oben auf eine wunderschöne Flußmündung hinab. Dort liegen sie, unsere Hütten Oakhurst. Direkt vor ihnen der Flußarm, den wir überqueren müssen. Von dem Punkt aus, an dem wir stehen, scheint dies ein Ding der Unmöglichkeit. Gut 40 Meter breit mit starken Wellen zeigt sich hier der Fluß. Zum ersten Mal habe ich Angst, dass wir die Warnungen doch unterschätzt haben.

Wie sollen wir da nur hinüber kommen?!?!

Wir machen uns an den Abstieg zum Flußbett hinunter. Schon gegen 12:00 Uhr erreichen wir den Fluß, der kurz vor den Hütten liegt. Zusammen mit der morgigen soll diese Überquerung die gefährlichste sein. Was von oben noch furcheinflößend gewirkt hat und bei Flut vielleicht wirklich ein Hindernis darstellt, lässt uns nun bei Ebbe nur ein müdes Lächeln über die Gesichter huschen.

Je weiter der Fluß ins Landesinnere reicht, desto niedriger wird sein Pegel und so ruhiger sein Charakter. An der Stelle, wo wir ihn überqueren müssen, ist er nur noch ein sanftes Bächlein, das wir auf ein paar Steinen leicht passieren können.

Begeistert sind wir nicht gerade, dass wir hinter dem Fluß nochmal steil nach oben steigen müssen. Aber wir wissen, dass die Hütten nicht mehr fern sind.

Malerisch liegen sie da, wie ihre Vorgänger auch. Nach dem üblichen Einräumen und einer ausgiebigen Brotzeit, nehmen wir unser Badezeug und gehen zurück zum Fluß, um dort ein wenig zu Baden. Vorher machen wir noch einen kurzen Ausflug am Fluß entlang weiter ins Landesinnere und finden ein steiles, einsames Tal mit Farnen, Einblättern, dunklen Teichen und beeindruckenden Felsformationen... sehr romantisch! Leider hatten wir den Fotoapparat vergessen. Zum Schwimmen finden wir aber keine geeignete Stelle und so gehen wir doch lieber zurück zum Meer.

Der Fluß bietet sich hier zum Baden geradezu an. Felsen bilden zwischen Fluß und Meer ein Tor, das die schlimmsten Wellen abhält. So hat sich ein großes Becken gebildet, das einen angenehmen Wellengang vorweist. Fast wie im Wellenbad... nur 1000x schöner!

Nach und nach trifft der Rest der Gruppe ein und schließt sich uns beim Wellenbaden an. Ein tierischer Spaß!

Als letztes kommen die Tochter von André, Charlotte, und ihr Freund Gustav. André hat sich vernünftigerweise entschlossen, den Otter Trail abzubrechen. Er hat ihn an einer Escape-Route verlassen und ist nördlich zur N2 gegangen. Charlotte und Gustav haben ihn noch ein Stück begleitet, weitere Begleitung hat er jedoch strikt abgelehnt. ("Typisch Mann" ist später die einhellige Meinung der Damen in der Gruppe) An der N2 wollte er dann per Anhalter nach Port Elizabeth fahren und dort einen Arzt aufsuchen.

Erst am späten Abend die erlösenden SMS von André, dass er gut in PE angekommen ist.

Neben Andrés Abbruch ist die Überquerung des Bloukrans-Rivers das Gesprächsthema Nr. 1 am Lagerfeuer, bis uns ein heftiger und plötzlicher Regen in die Hütten treibt. Naja, morgen müssen wir eh richtig früh raus. Der Bloukrans-River wartet mit seiner Ebbe nicht auf uns!