Tag 11 (2.11.05):
"Wenn Du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her."
Blöd nur, dass in unserem Fall das "Lichtlein" ein Feuer im Tsitsikama National Park ist.
In der Nacht zieht ein Sturm auf und ich verlasse das Zelt, um es mit zusätzlichen Sturmleinen abzusichern. Anne wird hiervon wach und kommt heraus. Wir sehen über das Meer hinweg eine glühende Linie
auf der anderen Seite der Bucht. Allerdings ist es einfach zu weit entfernt, um erkennen zu können, wobei es sich hierbei genau handelt.
"Mein Gott, hoffentlich ist das kein Feuer!"
Am morgen dann bestätigt dieses Bild unsere Befürchtungen:
Blick von Mossel Bay auf den Tsitsikama National Park, der durch Rauchschwaden verdeckt ist
Wenn ich oben geschrieben habe, dass meine Stimmung auf Null gesunken ist, dann ist sie jetzt im Minusbereich. Deutlich im Minusbereich.
Im Radio überschlagen sich die Feuerwarnungen. Zahlreiche Küstenabschnitte und Straßen im Eastern Cape sind komplett gesperrt. Der Bereich, in dem das Feuer am schlimmsten wütet, ist jedoch ein gutes
Stück (ca. 150 km) nordöstlich des Tsitsikama National Parks.
Unser ursprünglicher Plan war, bereits einen Tag vor Beginn des Otter Trails im Park zu sein, um noch einen richtig erholsamen Tag einlegen zu können, bevor die Strapazen der Wanderung
beginnen.
Da im Radio noch nichts über Evakuierungen oder Sperrung des TNP gesagt wurde, versuchen wir unser Glück. Mit Kurs auf Storm's River Mouth, Startpunkt des Otter Trails, fahren wir dem Feuer genau
entgegen. Bald ist der Himmel vom Rauch verdeckt, Brandgeruch macht sich breit. Ab und an sehen wir Rauch und sogar Flammen von kleineren Feuern neben der Fahrbahn.
Auf dem Weg zum Tsitsikama National Park
40 km vor dem TNP ist dann Ende: Straßensperre. Die Feuerwehr schickt alle zurück. Wie lange das ganze dauern wird, kann keiner sagen. Man hofft auf Regen. Weil der Regen dieses Jahr so lange auf
sich warten lässt, ist alles trocken und die Waldbrandgefahr dementsprechend groß.
Wir fahren zurück zum letzten Ort - Plettenburg Bay. Dort sitzen wir im Auto, denn es regnet. Leichte Tropfen, wahrscheinlich nicht stark genug, um die Feuer zu löschen.
Wir sitzen und sitzen.
"Ich versuch es jetzt noch mal!"
Anne ist skeptisch. "Es sind gerade mal zwei Stunden vergangen. Die Straßensperren sind bestimmt noch nicht weg!"
Doch für mich ist der Otter Trail die Kernessenz dieses Urlaubs! Um ihn herum haben wir alles andere geplant. Ich bin verzweifelt. Klar, mein Verstand sagt mir auch, dass es wohl vergeblich ist, aber
meine Panik ist stärker.
An der Straßensperre steht jetzt glücklicherweise ein anderer Feuerwehrmann als der, der uns vorher zurückgeschickt hat. Ich will ihn eigentlich nur fragen, ob sie inzwischen schon eine Prognose
abgeben können. Leider kommt kurz bevor wir an der Reihe sind seine Ablösung: Klar, der Kerl, der uns vorher weggeschickt hat. Prompt erkennt er uns auch wieder. "Listen, Buddy: The roads are closed
and there's no way this will change today!" sagt er merklich genervt von unserer, na gut, meiner Beharrlichkeit.
Anne versinkt im Sitz neben mir.
Naja, wenigstens weiß ich jetzt, was Sache ist.
Wir fahren wieder nach Plettenburg Bay und checken dort beim Camping Platz ein, wo wir dann wenigstens noch ein bißchen Wäsche waschen und unsere Ausrüstung auf Vordermann bringen können.
Kurze Zeit später trifft ein "Rotel" ein, ein Zeltdachbus, in dem die Reisenden in Kabinen schlafen. Der Anblick bringt wenigstens ein wenig
Heiterkeit in diesen Katastrophentag. Wider Erwarten sind es dann aber doch keine Sardinen, die aus dem Bus steigen, sondern normale Touristen.
Hey, nach den letzten beiden Tagen hab ich es mir ja wohl verdient, mal ein bißchen spöttisch zu sein!
Mal sehen, was der Tag morgen bringt...
Die Waldläufer