Tag 10 (1.11.05):

Das De Hoop Nature Reserve ist eigentlich nur auf unserem Programm gelandet, weil wir für die Fahrt von Hermanus zum Tsitsikama NP ein paar Auflockerungen einbauen wollten, um nicht nur im Auto zu sitzen. Die Fahrt dorthin führt über eine scheinbar unendliche Schotterpiste, die einen gehörig durchschüttelt. Immer wenn ich denke, dass ich vielleicht doch ein wenig langsamer über dieses Schlaglochparadies fahren sollte, überholt uns mit doppelter Geschwindigkeit ein Laster, der uns in einer riesigen Staubwolke zurücklässt. Die Radfahrer, die auch diese Piste benutzen müssen, sind auf den ersten Blick unter ihrer Staubschicht oft nicht gleich als Schwarze zu erkennen.

Stunden später (zumindest kam es mir so vor!) erreichen wir die Einfahrt zum NR. Schon dort stehen die ersten Schilder, die auf die Straßenbenutzung durch Schildkröten hinweisen. Und tatsächlich kreuzen immer wieder putzig-süße Baby-Schildkröten unseren Weg. Wie beschließen, erst einmal im Auto eine kleine Parkrunde zu drehen. Wir sehen die ersten Strauße und Antilopen, doch bald schon wird es so heiß, dass es die Tiere offensichtlich vorziehen, im Schatten zu liegen, als für unsere Fotos zu posieren, was eigentlich ihr Job wäre.

Wir beschließen daher, einen kleinen Strandspaziergang zu machen. Eine (zunächst) gute Entscheidung. Es ist wunderschön hier. Eine einsame, kleine Bucht mit feinem Sandstrand und Muscheln reiht sich an die nächste, getrennt von kleinen Klippen, an die das türkisfarbene Meer gischt. Um den Erholungsfaktor noch ein bißchen zu erhöhen, ziehen wir uns die Schuhe aus und laufen barfuß durch den Sand von Bucht zu Bucht.

Die Freude an den unberührten Stränden währt genau so lange, bis ich in eine unter dem Sand versteckte Muschelscherbe trete. Blut läuft in den Sand und verfärbt diesen rot. Verdammte S*****e! Ich kann an der Fußsohle unter dem Sand-Blut-Gebatz eine klaffende Schnittwunde erkennen. Und in zwei Tagen soll der Otter Trail starten!!!

Nachdem Anne die Wunde ausgewaschen und provisorisch mit Pflastern abgedeckt hat, humpel ich, von Anne gestützt, zurück zum Auto. Komisch, auf dem Hinweg kam mir die Umgebung irgendwie erholsamer vor...

Als die Wunde desinfiziert ist, verlassen wir das Nature Reserve, weil mir ehrlich gesagt der Spaß für heute gehörig verdorben ist. Horrorvisionen von Entzündungen des Fusses und Absagen des Otter Trails lassen meine Stimmung auf den Nullpunkt sinken.

Und auch die schöne Gegend, durch die die Weiterfahrt nach Mossel Bay führt, und viele anmutige Reiher oder Kraniche am Wegrand können daran nichts ändern.

Otter Trail, Otter Trail, Otter Trail...
Meine Gedanken drehen sich nur um den Otter Trail und die Frage, ob ich mit der Verletzung den als anspruchsvoll bezeichneten Weg laufen kann. Im Augenblick kann ich mit dem Fuß nicht einmal auftreten.

Wenigstens können wir das Zelt diesmal im Hellen aufbauen und sogar unser Abendessen können wir das erste Mal bei natürlichem Licht genießen.

Was für ein Tag...